081 Resilienz im Zeitalter von KI: Warum Grundwissen und Menschsein jetzt zählen
081_Resilienz im Zeitalter von KI: Warum Grundwissen und Menschsein jetzt zählen
Hallo und herzlich Willkommen,
zu einem neuen Blogbeitrag. Heute habe ich wieder einen Gast dabei, nämlich David Kaselow. David wird auch IT-Dolmetscher genannt.
Für den Blogbeitrag gilt somit als Originalquelle die Podcastfolge. Dieser Blogbeitrag stellt lediglich ein Transkript des Interviews dar.
Vorstellung: David Kaselow, der IT-Dolmetscher
Ich: Heute sprechen wir über das Thema Resilienz und darüber, wie es mit IT zusammenhängt. Deshalb: herzlich willkommen, David, schön, dass du da bist! Wenn du möchtest, erzähl gern ein bisschen was über dich.
David: Hi, hallo Ines, hallo liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Ich freue mich, dass ich da bin. Ines hat schon ein bisschen gespoilert: Ich bin der IT-Dolmetscher. Von Hause aus bin ich Wirtschaftsinformatiker, weil ich mich damals nicht entscheiden wollte, ob ich nur BWL oder nur Informatik studiere. Da habe ich einfach beides genommen. Beruflich übersetze ich quasi zwischen Management und IT. Die einen wollen wissen, was es kostet und wann es fertig ist. Die anderen wollen wissen, was sie programmieren sollen. Da gibt es viel zu kommunizieren.
Nach außen, außerhalb meines Hauptjobs, bin ich als IT-Dolmetscher vor allem auf Social Media aktiv, hauptsächlich auf LinkedIn. Dort erkläre ich Informatik für Normalos, also für alle, die Informatik nicht als Kernthema haben, aber heutzutage eigentlich nicht mehr um Computer, Systeme und KI herumkommen. Ich erkläre der Allgemeinheit, wie Informatik funktioniert, und habe mit ein paar anderen auch ein Buch herausgegeben: „IT für Anfänger“.
Was mache ich noch? Ähnlich wie Ines bin ich Podcast-Host. So habe ich Ines auch gefunden, und zwar für „Women in Tech“. Das heißt, ich möchte fördern, dass mehr Frauen in Technik- und Informatikberufe kommen. Auf Ines bin ich aufmerksam geworden, weil sie allgemein die Bildung unterstützt. Das ist ganz wichtig. Klar, es ist toll, wenn wir sagen, Informatik und Tech sind einfach, aber die jungen Leute, Kinder und Jugendliche, brauchen wahrscheinlich noch jemanden an der Hand. Am besten bräuchte jedes Kind und jeder Jugendliche eine Ines. Geht leider nicht, aber es ist toll.
Ich: Ich gebe mein Bestes.
David: Genau. Und Ines hat auch ganz tolle Inputs in meinem Podcast gegeben. Ich freue mich auf das heutige Gespräch.
Was ist Resilienz?
Ich: Ja, sehr schön, dankeschön. Dann lass uns gleich voll ins Thema einsteigen, beziehungsweise im Endeffekt sind wir schon drin. Was ist für dich Resilienz? Erst einmal allgemein, losgelöst von der IT, und dann sprechen wir nachher über das Thema IT. Damit jeder ein Grundverständnis hat, was wir unter Resilienz überhaupt verstehen, denn es ist ein großes Feld.
David: Genau, ein tolles Thema. Eigentlich braucht es jeder, so eine Art Widerstandsfähigkeit, denn man darf ja gar nicht mehr die Zeitung aufmachen. Die Welt ist ein bisschen verrückt, es gibt immer mehr Herausforderungen da draußen. Resilienz ist für mich, wie gut man als Mensch gewappnet ist, auf die Herausforderungen von draußen zu reagieren. Jeder hat ein Wunschdenken, wie sein Leben abläuft, aber Leben ist, wenn es anders kommt als geplant, das ist, glaube ich, ein alter Spruch. Man ist also so aufgebaut, vor allem mental, vielleicht teilweise auch gesundheitlich, dass man mit Abweichungen vom Idealplan zurechtkommt. Herausforderungen im Beruf, in der Schule, bei der Arbeit, privat.
Resilienz steckt bereits in uns
Ich: Ja, das sehe ich auch so. Für mich wäre mentale Widerstandsfähigkeit ein Oberbegriff, um mit Herausforderungen umzugehen. Gleichzeitig finde ich: Wir lernen das zwar, aber im Endeffekt haben wir es ja eigentlich schon. Wenn wir uns Kleinkinder und Babys angucken: Für mich hat Resilienz auch viel mit intrinsischer Motivation zu tun. Ein Kind lernt vom Baby zum Kleinkind laufen, und wir alle haben laufen gelernt. Da sind wir so oft umgeplumpst und haben uns vielleicht wehgetan oder sonst was, sind aber immer wieder aufgestanden. Wir haben nicht gesagt: „Ah nee, ich bleibe jetzt sitzen, ich habe keinen Bock, laufen zu lernen.“ Das hat kein Mensch von uns gemacht, wenn die körperliche Konstitution gepasst hat und so weiter. Von daher finde ich, dass Resilienz nichts ist, was man im Endeffekt lernen muss, sondern man darf sich daran erinnern, dass sie bereits in uns steckt.
Gleichzeitig hat es auch viel mit Role Models zu tun. Wenn wir als Kleinkind erst krabbeln und dann plötzlich anfangen zu laufen, haben wir genug Role Models um uns herum, die laufen. Und je mehr Role Models man hat … Deshalb spielt das Umfeld auch immer eine große Rolle bei der Resilienz, auch später: Welches Umfeld habe ich? Habe ich eher ein positives, lösungsorientiertes Umfeld, das mit Herausforderungen leichter umgeht, oder ein eher negativ geprägtes Umfeld, das im Worst Case ständig jammert, wie scheiße das Leben ist? Deswegen hat es meiner Meinung nach sehr viel damit zu tun, und gleichzeitig ist es eigentlich ein Grund-Ding, das in uns angelegt ist. Oder wie siehst du das? Wie ist deine Perspektive darauf?
David: Ich glaube, im Detail finde ich es super. Für deine Zielgruppe, Kinder und Jugendliche, ist das Laufenlernen wahrscheinlich präsenter, weil es noch nicht so weit weg ist. Ich weiß nicht, ob ich mich noch hineinfühlen könnte, wie ich laufen gelernt habe, wenn du sagen würdest: „Reiß dich mal zusammen, du hast laufen gelernt.“
Ich: Ja, das war jetzt nur ein Beispiel. Bei Kids sage ich zum Beispiel: „Hey, guck mal, im Fußballtraining kriegst du das auch hin, wenn du unbedingt willst. Das kannst du auch auf die Schule übertragen, denn es steckt ja in dir drin.“ Bei Resilienz geht es also viel mehr um intrinsische Motivation und um Interessen als um das Thema, dass ich etwas nicht kann oder neu lernen muss, dranzubleiben. Natürlich müssen wir Dinge neu lernen, aber dieses Dranbleiben, diese mentale Widerstandsfähigkeit, steckt per se in uns drin.
Umfeld und Vorbilder
David: Das stimmt. Und jeder hat vielleicht mal ein Low, eine Phase, in der er gerade nicht so widerstandsfähig ist. Ich finde auch, das Umfeld ist wichtig. Bei den Kindern kann eigentlich jeder, der älter ist, laufen, das ist gut. Und auch das, was du gesagt hast: Manche jammern vielleicht. Vielleicht ist es dann wichtig, dass das Umfeld die Einzelnen unterstützt. Die einen haben vielleicht selbst eine gute Resilienz, und die, die jammern, haben vielleicht gar keine so hohe. Also ist Resilienz vielleicht etwas, das in Anführungszeichen „ansteckend“ ist. Man braucht Vorbilder, wie resilient andere sind und wie sie damit umgehen können. Deshalb gibt es ja auch dich.
Ich: Ja, und dich. Du bist diesen Weg in der IT gegangen und kannst das, deshalb erzählst du das anderen und bist auch ein Role Model für sie. Ich bin ebenfalls meinen Weg gegangen und bin dieses Role Model für die Kids und Teens im Sinne von Traumleben. Was das für den Einzelnen ausmacht, ist wieder eine andere Sache. Aber auch das ist ja die Frage der Resilienz: Okay, wie will ich mein Leben leben? Wird es immer schlechter, oder wird es immer besser, und was ist dann auch möglich? Das hat für mich ganz viel mit Resilienz zu tun, weil es im Endeffekt um mentale Widerstandsfähigkeit geht. Und mentale Widerstandsfähigkeit ist heutzutage noch viel wichtiger, weil die Welt so komplex ist und noch komplexer wird. Durch KI kann man sich außerdem wieder auf sich selbst besinnen, weil man die Zeit dafür hat, da KI viel abnimmt. Dennoch muss man sich die Zeit nehmen. Da geht es sehr viel darum, worauf ich meinen Fokus richte, und natürlich auch um das gesamte Umfeld.
KI, Angst und Grundbildung
David: Gut, dass du KI ansprichst. Da sind einige verunsichert, die noch keine vergleichbare Erfahrung haben. Für sie heißt es: „Oh Gott, nimmt mir die KI vielleicht meine Arbeit weg, oder ist die KI vielleicht böse?“ Das ist momentan in aller Munde, und viele haben Angst. Aber ich finde, unter anderem wegen KI sollte jeder ein bisschen Grundbildung in Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik haben. Denn oft ist die eigene Resilienz gestört, weil man Angst hat, und man hat definitiv viel mehr Angst vor Dingen, die man nicht kennt. Wenn man gar keine Ahnung von Informatik oder grundsätzlich von KI hat, hat man tendenziell Angst. Sachen, die man nicht kennt, schätzt man oft komplizierter und gefährlicher ein, als sie sind. Auch deshalb ist es mir ein Herzensthema, Informatik- und KI-Themen zu erklären, auch für Kinder und Jugendliche.
Die meisten Zuhörerinnen und Zuhörer haben wahrscheinlich auch schon mal etwas bei ChatGPT eingegeben, und da kommt immer etwas heraus. Das Problem ist: Man braucht ein Grundwissen, um zu erkennen, ob es gut oder schlecht ist. Es ist viel Text, und der Output sieht immer gut aus, aber ob er wirklich gut ist, dafür braucht man ein gewisses Grundwissen. Das gilt eigentlich für alles, auch für das, was uns die Medien erzählen, oder teilweise sogar für gedruckte Zeitungen. Man braucht immer ein Grundwissen, sonst kann man es nicht einordnen. Es gibt Zeitungen wie die Bild und so weiter, die gern mal auf den Busch klopfen, aber das stimmt ja nicht alles. Und wenn man zu wenig Grundbildung hat, kann man das nicht gut einschätzen.
Prompten, Halluzinationen und kritisches Prüfen
Ich: Das stimmt. Und wenn man nicht weiß, wie ein Prompt im besten Fall auszusehen hat, dann gilt: Shit in, shit out, wie bei allem.
David: Genau. Da kommt quasi das Handwerk ins Spiel, wie man mit KI promptet, aber auch, was dabei herauskommt. Es ist gefährlich, wenn man völlig neue Sachen eingibt. Wenn man zum Beispiel ein Haus bauen will, ohne etwas gelernt zu haben, und einfach ChatGPT fragt: „Mach mir mal einen Sechsmonatsplan, wie man das Haus baut“, ist das gefährlich. Wenn man gar keine Ahnung hat, kann man nicht einschätzen, ob das Sinn ergibt oder ob das Haus wegen der Statik zusammenfällt. Am besten ist es, wenn man von dem Thema, zu dem man die KI fragt, schon etwa 20 bis 30 Prozent oder mehr weiß und sie eher nutzt, um schneller zu sein oder um einen dritten Ansatz zu bekommen, zusätzlich zu dem, was man selbst schon im Kopf hat, damit man es bewerten kann. Komplett neue Themen, in denen man sich nicht auskennt, sind schwierig. KI halluziniert gern mal. Das heißt, die KI wird ganz selten sagen: „Weiß ich nicht“, sondern eher: „Bevor ich nichts schreibe, schreibe ich lieber mal etwas Interessantes auf.“ Nicht gut.
Ich: Das stimmt definitiv. Zusätzlich kann man mittlerweile zum Beispiel bei Claude reinschreiben: „Halluziniere nicht.“
David: Aber ist das dann wirklich so? Es gibt Möglichkeiten, und da wird es ein bisschen besser. Aber selbst wenn man sagt: „Gib Quellen an“, sieht das erst mal gut aus. Wow, boah, zu jedem Satz gibt es eine Quelle. Aber manchmal, wenn man in die Quellen hineingeht … Man muss es schon validieren.
Ich: Ja, genau. Man muss aufpassen.
Berufseinstieg im Zeitalter der KI
Ich: Jetzt mal eine andere Frage, die eigentlich nicht wirklich zum Thema passt, aber egal: Wie siehst du das? Bei KI heißt es ja auch, dass Einstiegsjobs teilweise durch KI ersetzt werden könnten, gerade die Einstiegsjobs, die Kids, Teens und junge Erwachsene nach der Schule machen, weil man sie über KI abdecken kann. Aber im Endeffekt braucht man diese Jobs trotzdem, damit man Wissen aufbauen kann. Man braucht schon einen Einstiegsjob, um sich überhaupt erst einmal zurechtzufinden. Wie siehst du das aus deiner Perspektive aktuell? Siehst du diese Gefahr auch tatsächlich gegeben? Und wie kann man ihr begegnen? Gegen sie ankämpfen geht ja nicht, aber man kann die Vorteile nutzen, die KI für Einstiegsjobs bietet, und den jüngeren Menschen trotzdem das Wissen und das Know-how mitgeben und sie in die Unternehmen integrieren, um diesen Übergang zu schaffen.
David: Das ist eine sehr gute Frage, darüber habe ich mir auch schon Gedanken gemacht. In der Familie gibt es ein paar Teenager, die bald genau in diese Richtung gehen und mich auch schon gefragt haben. Momentan ist es nicht einfach für die jungen Leute. Ich sehe da drei Trends. Erstens: KI kann, wenn man sie gut anwendet, tatsächlich in Anführungszeichen „einfache“ Jobs für die ersten Berufsjahre übernehmen. Zweitens haben wir, zumindest in Deutschland, den demografischen Wandel. Das heißt, in den nächsten fünf Jahren gehen Hunderttausende, je nach Berufszweig, glaube ich, insgesamt sogar Millionen in Rente.
Ich: Also eigentlich bräuchte man junge Leute, aber mit dem enormen Know-how, das da verloren geht beziehungsweise in Rente geht.
David: Genau. Da sind wir wieder bei diesem Grundwissen. Dieses Grundwissen muss eigentlich aus den Köpfen der Älteren in die der jungen Leute, aber das Problem ist momentan die Rezession. Ich glaube, die Firmen würden das eigentlich auch wollen. Sie sehen es auch, wenn sie nicht komplett Scheuklappen aufsetzen: dass das Wissen irgendwo bleiben muss. Aber aus wirtschaftlichen Gründen können sie es sich aktuell oft nicht erlauben, junge Leute einzustellen. Das klingt erst mal böse, aber die können halt noch nichts oder fast noch nichts. Deshalb halten sie momentan jeden Euro zusammen, damit sie die Belegschaft, die noch da ist, halbwegs zusammenhalten können. Schwierig ist, dass diese drei Trends gleichzeitig laufen. Eigentlich bräuchte man Leute, einiges könnte man mit KI automatisieren, und das Geld ist momentan für die Jungen nicht immer da. Das tut mir auch sehr leid für die Jungen. Man kann jetzt den Kopf in den Sand stecken, das hilft aber nichts.
Was ich in Deutschland oft sehe, ist eine ein bisschen konsumentenhafte Sicht auf die Karriere: Irgendwie sind Schule, Studium, der erste und der zweite Arbeitgeber dafür verantwortlich, dass man als Arbeitnehmer Bildung und Karriere erfährt. Also eher passiv, nach dem Motto: „Mein Job wird mich da schon einordnen, mein Arbeitgeber wird schon dafür sorgen, dass ich nach zwei Jahren vom Junior zum Senior komme.“ Ich glaube, da müssen auch die jungen Leute aktiv werden. Ich habe auch schon als Schüler Praktika gemacht, immer weil ich reinschnuppern wollte. Das wird immer wichtiger, damit man einen Vorteil hat, statt zu sagen: „Okay, ich habe jetzt Abitur, ich habe jetzt studiert, hurra, ich bin da, nehmt mich, gebt mir einen Job.“
Ich: So nach dem Motto: Mir steht jetzt quasi die Welt offen … und dann: Oh, okay …
Praktika: wichtig, aber schwer zu bekommen
David: Genau. Man muss da wirklich aktiv werden und Praktika machen. Auch da wird nicht jede Firma „Hurra“ schreien.
Ich: Nee, denn die meisten bieten Praktika erst ab einem halben Jahr an. Klar, im Rahmen von Schulpraktika dauert es meistens eine Woche. Aber auch da ist es für manche schon herausfordernd, einen Praktikumsplatz zu bekommen. Im Rahmen des Schulpraktikums geht es noch eher, weil es durch die Lehrkraft begleitet wird. Wenn man es aber freiwillig machen möchte, zum Beispiel eine Woche in den Sommerferien, ist es echt herausfordernd, eine Stelle zu bekommen. Da sind wir noch mehr bei dem Punkt, dass sich in den Firmen jemand Zeit nehmen und einer Person eine Woche lang alles erklären muss, damit sie Einblicke bekommt. Aber im Endeffekt hat diese Person gerade keinen Mehrwert für die Firma.
David: Genau, das ist quasi wie eine Ausbildung in Kurzform. Das kostet die Firma nur Zeit, und sie hat erst mal nichts davon. Ich würde mich als junger Mensch trotzdem darum bemühen. Je nach Schulform und Bundesland ist es teilweise auch verpflichtend, ich weiß es nicht für jedes Bundesland, oft in der neunten oder zehnten Klasse. Das halte ich auf jeden Fall für sinnvoll.
Heutzutage gibt es zwar Bücher und Kurse, die man bezahlen muss, aber im Internet findet man momentan so viele Anleitungen. Wenn sich jemand wirklich für etwas interessiert, das für den Job relevant sein könnte, ob KI, IT allgemein oder Programmieren, gibt es so viele YouTube-Kanäle und Sachen zum Nachlesen. Ich würde auch sagen: Vielleicht mal Freitag und Samstag nicht weggehen, sondern sich hinsetzen und ein paar Stunden YouTube durchkauen. Das kann man auch öfter abspielen, wenn man es nicht gleich verstanden hat, das macht ja nichts. Es gibt Podcasts, oder man nimmt Dokumente und packt sie in die KI, zum Beispiel in NotebookLM von Google. Heutzutage kann man in Anführungszeichen schon viel „lernen“, und zwar kostenlos.
Kostenlos lernen und selbst aktiv werden
Ich: Ja, das sage ich den Kids & Teens auch immer.
David: Bei NotebookLM kann man der KI auch sagen, und da ist ganz viel Input drin: Keine Ahnung, nimm zehn PDF-Dokumente und schneide sie in Häppchen, sodass ich es verstehe, über zehn Wochen. Das ist schon ziemlich gut. Auf jeden Fall wegkommen von der Passivität, von wegen „Das wird schon irgendwie funktionieren“. Nein. Da muss man vielleicht schon früher, und nicht erst, wenn man eine Beförderung will, sich hinsetzen und schauen, was der nächste Schritt ist. Leider ist es mit der wirtschaftlichen Lage schon so, dass man für den ersten Beruf ein bisschen in Vorleistung gehen muss, um sich von denen abzuheben, die auch nur Abitur haben, nur studiert haben oder Realschule, wie auch immer, wenn man nur das mitbringt, was man aus der Frontalbeschallung gelernt hat, quasi nur Zensuren. In der aktuellen wirtschaftlichen Lage reicht das für die Arbeitgeber leider nicht.
Persönlichkeit zählt mehr als Noten
Ich: Ja, das weißt du, aber das Krasse ist: Auf der anderen Seite haben sie trotzdem einen vollen Stundenplan, der Tag ist voll und alles Mögliche. Ich sage es ihnen trotzdem, denn es bringt niemandem etwas, sie anzulügen und zu sagen: „Nee, es reicht, wenn du dein Schulzeug machst.“ Ich sage immer: Persönlichkeit zählt noch mehr als Schulnoten, aber die Schulnoten sollten trotzdem einigermaßen sein, weil man daran sehr viel erkennt, zum Beispiel ob jemand bereit ist, die Extrameile zu gehen, noch mehr zu machen und sich reinzuknien. Das gehört auch zum Thema Resilienz. Gleichzeitig sage ich aber auch: Nicht nur schulische, sondern auch außerschulische Aktivitäten, das, was euch interessiert. Ihr habt jetzt die Zeit. Gerade vor den Sommerferien habe ich das in jedem Gruppencoaching und in jedem Coaching gesagt: „Hey, informiert euch über das, wofür ihr jetzt Zeit habt, es vollkommen frei zu gestalten, auf das, worauf ihr Bock habt. Macht das und bildet euch weiter. Macht einfach.“ Und auch übers Netzwerken geht heute echt viel. Deswegen schreibe ich den Kids & Teens auch Zertifikate, die sie von mir bekommen, wenn sie im Coaching waren, und alle erhalten Empfehlungsschreiben. Diese können sie ihren Bewerbungen beilegen und so von meinem Netzwerk profitieren. Sie bekommen also noch zusätzlich etwas, damit es trotzdem ein bisschen leichter ist und sie nicht unbedingt 24/7 dafür etwas tun müssen.
Menschsein als Vorteil: Kommunikation, Empathie und Erklären
David: Ja, es ist tatsächlich so. Und der große Vorteil ist das Menschsein. Du hast schon außerschulische Aktivitäten gesagt. Man sagt ja, die schlauen KI können quasi PhD-Level, das heißt, als hätten sie selbst schon einen Doktortitel. Das rein Schulische, das reine Wissen können sie, aber menschliche Dinge wie Kommunikation, Empathie und Führung können sie nicht. Und das kann man üben. Wenn man nicht so technikaffin oder technikbegabt ist, ist das okay. Aber wenn man zum Beispiel erst selbst Fußball gespielt hat und irgendwann gemerkt hat: „Oh, da wird vielleicht ein Trainer gesucht“, und dann selbst Trainer wird, zeigt das schon: Ich kann erklären. Das ist ganz wichtig, man muss immer noch erklären können. Man kann die KI fragen, aber wenn ein Kollege kommt und sagt „Erklär mir das mal“, oder ein neuer Kollege da ist und man ihm etwas zeigen soll, dann muss man erklären können. Im Sport kannst du schon Trainer werden, wenn du selbst erst 12 oder 14 bist. Wenn du dann zum Beispiel die Bambinis trainierst, die kleinen Käsehochs, heißt das, du hast Empathie für junge Leute, und das ist super.
Dieses Erklären-Können für Kinder ist auch ganz wichtig. Ehrlich, die Manager und so weiter sind auch nicht tief drin. Wenn du etwas einem Kind erklären kannst, dann versteht es auch der Manager. Das ist wirklich etwas, das du fürs Leben lernst. Klar, man sagt, in der Schule lernt man fürs Leben, aber nach den Grundrechenarten und Lesen und Schreiben: Ob man da wirklich alles wissen muss? Keine Ahnung, ob ein Berg in Peru 2000 oder 2500 Meter hoch ist, das kann man in 30 Sekunden googeln. Aber das Zwischenmenschliche ist wirklich etwas fürs Leben. Das kann man auch einbringen. Das sieht jede HR-Abteilung und jeder Chef gern, wenn du dich bewirbst: dass du zum Beispiel Jugendleiter warst oder was auch immer. Selbst wenn du sonst nur gespielt hast, aber die Zeit oder die Muße hattest, auch Trainer zu sein. Mannschaftssportarten sind ebenfalls wichtig: Du kannst dich einfügen, du arbeitest gleichzeitig für Abwehr und Sturm. Da kann man viel ableiten, das Menschliche, da kann man auch etwas machen. Du hast gesagt, viele haben einen vollen Kalender mit Hobbys und Schule. Klar, aber auch dann kann man sich die Hobbys in Anführungszeichen „strategisch“ aussuchen.
Ich: Ja, und ich finde, gerade diese menschlichen Dinge, wie du kommunizierst, wie du erklärst und so weiter: Tatsächlich habe ich mittlerweile auch die Gruppencoachings so aufgebaut, dass ich die Kids & Teens einfach erzählen lasse und dann sage: „Hey, und was würdest du darauf antworten?“ Alle werden dann drangenommen, und dann sage ich: „Okay, das ist alles super, und ich würde es so machen“ und so weiter, damit sie da hineinkommen. Oder ich sage zum Beispiel auch: Wichtig ist auch Termintreue, ganz klar. „Hey, ihr habt bis dahin Zeit abzustimmen. Wenn ihr nicht abgestimmt habt, dann entscheide ich, oder wir besprechen im Meeting, wann das nächste Meeting stattfindet“ und so weiter. Ein bisschen darüber hinaus mache ich das also, damit es für sie leichter ist. Dennoch zählt Persönlichkeit immer noch mehr als alles andere. Ergo: Wenn jemand eine 1,0 hat und noch jemand eine 1,0, und der eine ist persönlich introvertiert und sehr zurückgezogen und hat nicht die entsprechenden empathischen Fähigkeiten, dann wird definitiv der andere bevorzugt. Selbst wenn jemand eine 2,0 hat, wird die Person mit der entsprechenden Persönlichkeit bevorzugt.
Attitude schlägt reines Wissen
David: Ja, finde ich auch. Natürlich ist es besser, wenn man keinen Dreierschnitt hat. Aber wenn man einen Okay-Schnitt hat und dafür Dinge wie Trainertätigkeit, Nachhilfe oder besondere Hobbys vorweisen kann, dann ist das gut. Denn Skills kann man jedem beibringen, auch jungen Leuten später. Aber die Attitude: „Hire for Attitude“, dazu gibt es ja auch den Trend, dass man schaut, wie jemand drauf ist. Bei jemandem, der, wie gesagt, vielleicht extrovertiert oder introvertiert ist: Wenn jemand so ist, kann er vielleicht nicht die besten Controlling-Hacks in Excel, aber dafür motiviert er das Team, hält eine motivierende Ansprache, und dann rennt das Team in die gleiche Richtung.
Ich: Oder er motiviert sich vor allem selbst, das bei sich zu lernen, geht auf die Leute zu und fragt, wenn er etwas nicht weiß.
David: Ja, deshalb. Und selbst die, die vielleicht gar nicht gut in der Schule waren, aber schnell mit jedem informell reden können. Es wird immer wieder vorkommen, dass ein Kunde verärgert ist. Dann gibt es jemanden, der sagt: „Ja, wir haben Scheiße gebaut, und ich lade dich zum Essen ein“, und dann trinken sie zusammen einen, und das glättet die Wogen wieder. Da kannst du nicht den Controller hinschicken, der dann sagt: „Kunde, du bist selbst schuld, du hast da etwas falsch geklickt, du hast etwas falsch gemacht.“ Der wird Widerstand erzeugen. Man braucht auch die Kumpeltypen, die so kommunizieren und das wieder einfangen können. Vielleicht ist so jemand kein Matheass, aber dafür kann er kommunizieren und kriegt es wieder hin. Für manche ist Networking zu anstrengend, die haben gar keine Lust darauf. Die sind froh, wenn sie mit Excel und ihrem Computer kommunizieren, aber sie wollen nicht wirklich mit Menschen kommunizieren. Jeder hat seine Stärken und Schwächen, und das ist auch richtig und gut so. Und es ist wichtig, dabei selbstbewusst zu sein. Aber lass uns mal zum Ausgangsthema Resilienz und Coding zurückkommen, wo wir jetzt sehr weit den Bogen gespannt haben.
Intrinsische Motivation: Warum man sich auch in Ungeliebtes hineinfuchst
Ich: Also, ich muss ganz ehrlich sagen: Mich interessiert Coding überhaupt nicht so. Ich habe da auch keinen Plan. Natürlich weiß ich grob Bescheid, bei KI und so weiter, alles gut, und IT, völlig fein, ich weiß auch, wie ich mir da zu helfen habe. Aber wenn ich mir einen Code angucke, denke ich nicht: „Oh ja, da habe ich jetzt Bock, etwas zu bauen.“ Nee. Gleichzeitig sage ich dir: Wenn ich es müsste, würde ich mich trotzdem da reinfuchsen, damit ich das hinkriege. Und das ist der Grund, warum ich glaube, dass Resilienz viel mit intrinsischer Motivation zu tun hat. Ich sage in dem Moment vielleicht: „Nee, interessiert mich nicht, habe ich gar keinen Bock drauf“, aber ich weiß: Wenn ich müsste, würde ich es machen, weil ich es dann als Puzzlestück brauche, um weiterzukommen. Oder ich würde Leute fragen, die mich dabei unterstützen, zum Beispiel dich oder wen auch immer.
Warum Coding für alle wichtig ist
David: Ja, so ist das. Wenn wir wieder zum Kernthema Coding und Resilienz zurückkommen: Jeder, der zuhört, weiß, man kommt ohne Informatik nicht weiter, auch nicht bei vielen Dingen im Alltag. Eine Amazon-Bestellung hat bestimmt jeder schon mal gemacht. Wenn jemand Amazon böse findet, hat er woanders bestellt, das ist auch okay. Social Media geht nicht ohne Computer, Banken gehen nicht ohne Computer. Ich glaube, die meisten schreiben heute keine Überweisungsträger mehr per Hand, das läuft alles digital. Selbst wenn man Kinder hat, und wahrscheinlich sind viele Zuhörer auch Eltern: Die Kommunikation mit der Schule läuft mittlerweile auch überwiegend digital. Man kommt also ums Digitale nicht herum. Und wenn junge Leute zuhören: Programmieren, auch Coding genannt, ist schon etwas, das ihr euch überlegen solltet. Manche mögen keine Fremdsprachen, also noch mal Französisch oder Spanisch lernen. Vielleicht wäre dann eine Programmiersprache interessant für euch, denn die digitale Welt … Wahrscheinlich haben die meisten, die zuhören, ein Smartphone, da geht eigentlich nichts mehr ohne Informatik. Hinter allem, was ihr irgendwo blinken seht, auf großen oder kleinen Bildschirmen, steckt ein Programmcode. Das grundsätzlich zu lernen, dafür müsst ihr nicht der größte Crack oder der größte Hacker werden. Aber grundsätzlich zu verstehen, dass man einem Computer genau sagen muss, was er zu tun hat, das ist quasi eine Programmiersprache. Dann macht das Programm etwas, am Ende kommt etwas heraus, und dann muss man schauen, ob das, was herauskommt, zu dem passt, was man eigentlich wollte. Das zu verstehen ist wichtig und ein spannendes Feld. Da wird es auch in Zukunft Arbeit geben. Wahrscheinlich muss man dann zusätzlich noch KI lernen, aber grundsätzlich wird es auch zukünftig gebraucht. Statt einer dritten Fremdsprache, klar, wenn es euer Leben ist, fünf Fremdsprachen zu lernen, dann macht das, aber statt einer zweiten oder dritten Fremdsprache … Eigentlich brauchst du: Englisch ist wirklich das Wichtigste.
Englisch als wichtigstes Schulfach
Ich: Da sage ich auch: Das ist eigentlich das wichtigste Fach in der Schule, um ehrlich zu sein, und es macht am meisten Sinn, denn IT ist komplett auf Englisch, und auch generell: Wer kein Englisch kann … Das ist meiner Meinung nach das Schulfach, das wirklich am meisten Sinn macht.
Lernangebote und keine Angst vor KI, egal in welchem Alter
David: Genau. Vielleicht habt ihr Glück und habt in der Schule auch Informatik, dann auf jeden Fall mitmachen und zuhören, das ist ganz wichtig. Und wenn euch das aktuell noch keinen Spaß macht: Es gibt so viele YouTube-Videos. Auch zu unserem Buch: Morpheus Tutorials, den könnt ihr mal bei YouTube anschauen. Er hat bei uns auch mitgeschrieben und macht das ganz super. Teilweise werden Azubis, also Informatik-Azubis, hingesetzt und sollen sich den ganzen Tag seine Videos anschauen. Es gibt natürlich auch andere Kanäle, aber Coding lernen würde ich auf jeden Fall empfehlen. KI lernen grundsätzlich auch. Ihr müsst noch keine Cracks werden, bevor ihr mit der Schule fertig seid. Oder für ältere Zuhörer, die überlegen, in einen anderen Bereich zu gehen: Schaut euch das an, ob mit unserem Buch oder ohne. Grundsätzlich verstehen sollte es jeder. Selbst wenn ihr über 50 seid, habt ihr noch 15 Jahre zu arbeiten und auch danach noch. Ich habe ganz viele Nachbarn, die über 70, 80 sind. Die haben mit dem Kegelclub die Planung durch KI gemacht, zum Beispiel die Reiseplanung, und machen tolle Reisen. Früher sind sie ins Reisebüro gegangen, jetzt machen sie es selbst. Auch wenn man älter ist: Habt keine Angst vor KI.
Abschluss und Buchverlosung
Ich: Genau, sehr schön, cool. In Anbetracht der Zeit, denn ich mache meistens so eine halbe Stunde, damit es nicht so lang wird: Möchtest du noch irgendetwas zum Schluss sagen?
David: Das haben wir vorher nicht abgestimmt. Wenn du magst, können wir ein Buch verlosen? Vielleicht interessiert es jemanden.
Ich: Klar, gern, können wir machen. Auch ohne Abstimmung bin ich für so etwas immer offen.
David: „IT für Anfänger“, gern. Also wirklich auch schon für Jugendliche ab 12, würde ich sagen, aber natürlich auch für Erwachsene. Wir haben Informatik nicht langweilig erklärt, sondern im Storytelling. Es gibt eine vierköpfige Familie, also Mutter, Vater, Sohn und Tochter, die durch den Alltag läuft und über IT-Themen stolpert. Der Opa hat noch Hebel im Auto, und wir haben einen Touchscreen: Wie geht das? Oder wenn der Computer einen Virus hat, braucht er dann Medizin oder eine Maske wie damals? Also wirklich so erklärt, dass jeder es verstehen kann. Und wer unter dem Podcast schreibt, uns schreibt, liked, kommentiert oder teilt: Wir verlosen ein Buch. Und wer nicht dabei ist, kann es auch überall haben, man kann in jede Buchhandlung gehen.
Ich: Okay, alles klar, sehr gern, und ein cooles Angebot. Coole Surprise.
David: Wunderbar, vielen Dank für die Einladung.
Ich: Sehr gern, es war sehr schön. Dann habt noch einen wunderschönen Tag, alle.
Alles Liebe, eure











