078_Arbeitsmarkt - Teens und junge Erwachsene (Guest: Marion Hodapp)
078_Arbeitsmarkt - Teens & junge Erwachsene
Hallo und herzlich Willkommen,
heute habe ich wieder einen Gast dabei. Marion hat über 20 Jahre Erfahrung im HR und ist Mit-Inhaberin der Personalagentur „Personalrezepte".
In diesem Blogbeitrag sprechen wir über den aktuellen Arbeitsmarkt für Teens & junge Erwachsene und wie sich dieser in den letzten 20 Jahren gewandelt hat. Weiterhin haben wir die Fragen beantwortet, was heutzutage für Teens & junge Erwachsene wichtig ist und vor allem wie sie die Frage für sich beantworten können: „Wie geht es nach der Schule weiter?"
Wie immer ist die Original-Quelle bei solchen Gesprächen die Podcastfolge. Hier als Blogbeitrag findest du das Transkript der Folge zum Lesen.
Ich: „Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Podcast Folge. Ich bin Ines. Ich arbeite seit über 20 Jahren mit Kids, Teens und jungen Erwachsenen und genau davon profitierst du in diesem Podcast. Und heute habe ich wieder ein Gast mitgebracht und zwar die Marion und die Marion arbeitet seit über 20 Jahren im Bereich HR, also Personal und ist Mitinhaberin einer Personalagentur. Aber ich glaube dazu erzählt euch die Marion besser selbst.
Hallo und herzlich willkommen Marion. Vielen, vielen lieben Dank und dass du da bist.“
Marion: „Danke, dass ich da sein darf, liebe Ines.“
Ich: „Gerne. Dann erzähl mal ein bisschen was über dich.“
Marion: „Sehr gern. Marion Hodab ist mein Name. Ich bin 45 Jahre jung, seit über 20 Jahren im Personalgeschäft. Das bringt's mit sich, wenn man da auch schon eine etwas höhere Alterszahl stehen hat….und seit 15 Jahren, wie du es gesagt hast, selbständig mit der Firma Personalrezepte, gemeinsam mit meinem Geschäftspartner. Wir sind eine kleine HR-Agentur. Wir machen viel im Bereich Beratung, HR-Strategie und Struktur,..auch viel im Bereich Recruiting und Führungskräftetraining und was wir ebenfalls tun. Und es ist uns so eine Herzensangelegenheit, das ist die Berufsorientierung für junge Menschen, Jugendliche und junge Erwachsene zu unterstützen mit einem eigenen System, das sehr gut funktioniert und davon berichte ich heute gerne ein bisschen mehr.“
Ich: „Ja, ist sehr cool und vor allem ich finde das voll super, weil ganz ehrlich, ich habe auch zuletzt gefühlt in meinem Podcast, ich würde gerne mal wieder über das Thema Arbeitsmarkt reden oder auch über dieses Schule, wie geht's danach weiter und ich hatte ja schon eine Folge dazu, aber schon vor, ich glaube, zwei Jahren oder einem Jahr oder so, weiß ich gerade nicht und dann dachte ich mir so, ja, allein will ich darüber nicht quatschen und dann kamst du in mein Leben, da dachte ich mir, perfektes Timing.“
Marion: „So genauso läuft's manchmal. Bei mir war es umgekehrt. Ich rede ja sehr viel über das Thema Arbeitsmarkt und bin aber selbst auch Mama von zwei Jungs. Einer ist im Teenager-Alter, wird nächstes Jahr sein Schulabschluss machen und mir fehlt da auch oft diese Verbindung in die in Anführungszeichen reale Welt. Also was treibt die Jugendlichen und jungen Menschen wirklich um, abgesehen von dem was Unternehmen anbieten? Das finde ich immer ganz spannend dieses Feld.“
Ich: „Ja, dann ist das ja die perfekte Ergänzung…sowieso wie immer. Gut. Alright. Also jetzt interessiert mich erstmal, und vielleicht auch unsere Zuhörer und Zuhörerinnen, weil du hast ja so viel Erfahrung im Bereich Personal..und der Arbeitsmarkt, wenn man das ja so die 20 Jahre betrachtet, hat sich ja enorm verändert. Also, ich meine, ich war ja selber 10 Jahre quasi selbst in verschiedenen Unternehmen und so weiter. Deswegen habe ich da auch natürlich selbst mit viel mitgekriegt. Aber wie siehst denn du das jetzt, wenn du das jetzt mal die letzten 20 Jahre vergleichst, inwiefern hat sich jetzt gerade der Arbeitsmarkt für Teenager und junge Erwachsene denn verändert? Also, wo siehst du dann die Punkte, die Herausforderungen, aber auch die Chancen? Und was sagst du ist extrem wichtig, dass im Endeffekt schon die Teenies und jungen Erwachsenen schon mitbringen quasi als Berufsstarter, weil früher waren halt gut, also man hat halt Schule gemacht und alles andere hat man halt eigentlich während der Arbeit so gelernt sozusagen, aber heutzutage ist ja noch viel viel wichtiger Kompetenzen mitzubringen gewisse, weil ja auch die die ganze Geschwindigkeit zugenommen hat durch KI, durch noch mehr E-Mails, durch noch mehr Globalisierung & Internationalisierung und so weiter und so fort…wenn man das jetzt mal auf die 20 Jahre betrachtet und das wär glaube ich…also finde ich persönlich sehr interessant und ich glaube das interessiert auch unsere Zuhörer und Zuhörerinnen.“
Marion: „Also ich gehe…das war eine sehr komplexe Frage deswegen gehe ich erstmal auf den ersten Teil ein..was hat sich da tatsächlich verändert? Also wenn ich die letzten 20 oder auch 30 Jahre Review passieren lasse, hat sich vor allem verändert, dass die Selbstverwirklichung eine viel größere Rolle spielt bei der Berufswahl, als sie das früher getan hat. Ich weiß nicht, wie es bei dir war, aber als ich 16 war und fertig mit der Realschule, da haben mir meine Eltern gesagt, mach was Solides, kaufmännische Ausbildung, das was Gutes, davon hast du immer was. Das war auch richtig. Ja.. aber diese Frage, ob ich das wollte oder ein Talent dafür hatte oder eine Neigung, das war eigentlich so ein bisschen untergeordnet, sondern es ging eher drum zu sagen, du hast tolle Chancen, wenn du in dem guten Unternehmen eine solide Ausbildung machen kannst. Welche Chancen? Erstmal wurscht, ne? Und heute stehen wir an einem ganz anderen Punkt. Das hat was mit den Generationen zu tun. Wenn ich dies Fass öffne, rede ich übermorgen noch. Deswegen versuche ich es kurz zu halten. Ähm, aber wir haben immer wieder ähm hohe Kritiken an den Generationen Alpha und Z. Alpha sind die jetzigen Jugendlichen, Z sind die jungen Erwachsenen, die bereits im Berufsleben sind. Ähm, es wird immer wieder kritisiert, die wollen ja gar nicht arbeiten, die sind irgendwie faul, denen sind andere Themen wichtiger. Also, erstmal ihr lieben Eltern, wir haben die dazu gemacht, gell? Also ganz viel davon ist so. Ja, also die sich heute beschweren, äh das sind meistens die, die auch die Grundlagen dafür gelegt haben und das ist gab's mal einen ganz tollen Artikel in der Süddeutschen Zeitung, wenn ich es richtig in Erinnerung habe. Ähm, der war betitelt mit "Du kannst ein Einhorn sein." Das ist so ein bisschen, was wir Jugendlichen mitgeben und auch Kindern. Wir sagen, du kannst alles und ich fördere dich in allem. Und wenn du heute Geige und morgen Gitarre und übermorgen klettern gehst, dann bin ich dabei und unterstütze das, weil ich glaube, dass du in allem überragend gut sein kannst und damit setzen wir einen Maßstab an junge Menschen, den realistisch betrachtet niemand erfüllen kann.“
Ich: „Also niemand ist die eierlegende Wollmilchsau. Aber das ist ganz ehrlich, wenn du dann halt auch also Stellenausschreibung oder sonst was siehst. Ich meine, das ist ja wirklich, da wird die eierlegende Wollmilchsau gesucht quasi.“
Marion: „Klar. Also, eine Stellenanzeige ist immer eine utopische Wunschvorstellung. Das sage ich auch immer allen meinen Kunden und auch den Kandidaten und Kandidatinnen, die wir in der Beratung haben. Eine Stellenanzeige, die formuliert ja das Ideal und das Ideal, das gibt's ja fast nirgends. Ja. Es wird ja immer gern kritisiert, dass man 20 Jahre alt sein und 10 Jahre Berufserfahrung haben sollte. Genauso ist es. Und am besten noch fünf Jahre im Ausland, wenn es gut wäre. Ja, genau. Muttersprachler in drei Sprachen. Also, das ist tatsächlich das Ideal, das formuliert wird und jeder weiß, dass es nicht erreichbar ist. Wer das nicht weiß, sind junge Menschen, die nämlich gesagt bekommen, das könnt ihr oder das müsst ihr machen. Und dadurch ist das Maß einfach viel zu hoch angesetzt…das führt, glaube ich, zu sehr viel Frustration. Darüber weißt du jetzt wieder mehr, ne? Mm…Und auch ein Selbstbild entwickelt und sich da auch völlig falsch einordnet und vielleicht auch seine eigenen Talente und Fähigkeiten gar nicht richtig rausarbeiten kann, weil man denkt in allem gut sein zu müssen. Möchte nicht auf dem Schulsystem rumhacken, aber auch das ist natürlich so ein Thema, du musst in diese Schubladen passen. Deutsch, Mathe, Englisch, das soll alles gut sein. Also eine Drei ist oft schon als schlecht bewertet in der Gesellschaft, was völliger Unsinn ist, ne?...aber es ist ganz wichtig, dass man sich seinen eigenen Neigungen, Interessen und auch Talenten hingibt. Und das sollte die Grundlage für eine Berufswahl sein am Ende auch. Und da gehört nun mal dazu, dass ich vielleicht Französisch Vierer bin, aber in Englisch Zweier, weil es mir mehr liegt und vielleicht habe ich eine bestimmte Neigung zu einem handwerklichen Job. Ja, ist dann nicht der akademische Beruf, den sich vielleicht die Großeltern gewünscht hätten, aber die Frage ist ja, was erfüllt mich selbst? Und ich stufe das auch immer gerne noch eins runter und sage, es geht nicht um vollkommenes Glück, sondern um Zufriedenheit. Das wäre schon total toll, wenn wir Zufriedenheit erreichen würden und nicht das Streben nach höher, schneller weiter, wie es einfach gang und gäbe ist.“
Ich: „Nee, aber ja und es ist halt die Frage, wie definiert man das? Weil, ich sage ja im Endeffekt, also mein Ziel ist ja, dass die Kids und Teens ihr Traumleben leben – glücklich, erfüllt und erfolgreich im Jetzt. So und für mich bedeutet halt Glück einfach auch mit dem ja „zufrieden“ zu sein..wobei wirklich zufrieden nicht, weil Zufriedenheit ist für mich so ein bisschen, ich bin zufrieden, aber ich das reicht auch..das ist irgendwie so ein bisschen…es ist wichtig auch diesen..schon diesen Hunger nach mehr zu haben und sich weiter zu entwickeln, weil dieses Zufrieden ist einfach ja, ich bin zufrieden, ich ruh mich hier in meiner Komfortzone aus, mache mir es gemütlich und so weiter. Und ich finde, das ist auch wichtig und das vermittele ich denen auch, dass im Endeffekt das Lernen nach der Schule halt einfach nicht aufhört. Also das Lernen ist lebenslang und deshalb ist natürlich wichtig sich selbstbewusst zu sein, was will ich, was kann ich und sich darin zum Experten oder zur Expertin machen.
So gleichzeitig, weil du ja natürlich gesagt hast, weil die Eltern natürlich sagen, du kannst das Einhorn sein und wenn du das machst und das. Auf der anderen Seite musst du dich ja ein bisschen ausprobieren, weil nur aufgrund von Erfahrungen kannst du ja erkennen, was liegt mir und was liegt mir nicht. Ich meine, Man kann sich ja nicht entscheiden und sagen, ja, also wenn ich jetzt generell Sport nehme…ich habe früher Volleyball gemacht, ich war Turnen und so weiter und Schwimmen und irgendwann habe ich dann gemerkt, okay, Schwimmen bin ich richtig gut, der Rest ist so, na ja, es macht mir Spaß, aber..und dann habe ich noch Akkordeon gespielt…und ich finde auf eine gewisse Art und Weise muss man sich halt so ein bisschen austesten, um so Erfahrungen zu sammeln sozusagen.“
Marion: „Ja, ist korrekt. Ja, ich bin auch gar nicht die Verfechterin von du musst durchziehen, was du beginnst. Ja, aber du musst der Sache ein bisschen eine Chance geben, sich zu entwickeln. Also gerade, weil du jetzt genannt hast auch mit den verschiedenen Sportarten und so. Ich habe z.B. mit meinen eigenen Kids immer die Vereinbarung gehabt, du kannst alles ausprobieren, aber du probierst es über einen Zeitraum aus von einem Jahr oder z.B. mal ein halbes, dass man danach auch sagen kann, das ist was oder das ist nichts. Und dazu kommt auch die Vorgabe, die ich da immer mache. Bin vielleicht ein bisschen streng, aber ich sage alles oder nichts, 100% oder null. Ich kann nicht sagen, heute habe ich keine Lust, dann gehe ich nicht zur Feuerwehr. Das ist eine Kameradschaft, die musst du unterstützen, da bist du Teil. Oder auch im Fußballteam, du kannst jetzt nicht sagen, heute habe ich keinen Bock aufs Training und lässt die Mannschaft hängen. Das geht so nicht, ne?...und Sachen ausprobieren ist super und sollte auch vielseitig gefördert werden ist wirklich klasse, aber wenn irgendwas wirklich nicht so läuft, du hast gerade eben gesagt, Schwimmen war super, Volleyball ging so, ne? Ja, da muss man es vielleicht auch lassen und sich auf das konzentrieren, was man wirklich gut kann.“
Ich: „Genau. Und nichtsdestotrotz, weil du sagst jetzt, du bist nicht so Mensch durchziehen, also bis zum geht nimmer oder sonst was. Also ich sag schon ganz ehrlich, also ich hatte in meiner Bankausbildung Situationen, da hätte ich auch alles am liebsten hingeschmissen. Ich hatte es im Bachelorstudium, da hätte ich liebsten alles hingeschmissen und im Masterstudium auch. So, das muss man jetzt natürlich immer abwägen. Klar, wenn es natürlich richtig krasse psychische Probleme gibt und man gar nicht mehr klar kommt oder was weiß ich, dann muss man die Notbremse ziehen, weil Gesundheit ist immer die Prio 1.. nur, weil man jetzt halt merkt, man würde am liebsten hinschmeißen, man kann halt nicht mehr. Also da bin ich überhaupt nicht die Person für, weil ich sage: "Hey, was ihr angefangen habt, wird durchgezogen. Es sei denn, euch geht's halt schlecht oder ihr werdet gemobbt oder psychisch fertig gemacht oder sonst was, weil sonst haben wir ja dieses ja, ich probiere das aus, morgen mache ich das wieder und also da finde ich schon ab einem gewissen Alter…, ja, also in der Kindheit testet euch aus, aber wenn ihr euch für was entscheidet, dann macht's auch." Und im Endeffekt ihr habt dann, ich sag auch, ich hatte dann einfach eine Ausbildung..so und die hat mir dadurch wieder mein Studium erleichtert. Hätte ich die Ausbildung geschmissen und gleich studiert, wäre ich nicht mit diesen PS in das Studium rein, weil ich plötzlich wusste, wie ist dann jetzt wirklich in der Arbeitswelt ist, wie läuft's ab andere Kommilitonen von mir hatten dann plötzlich einen Praxisschock, als sie im Praktikum waren und ich in meinem Porsche Praktikum, ich habe einfach gesagt, okay, ich arbeite jetzt halt wieder und habe halt dementsprechend ganz anders meine PS auch in diesem Unternehmen auf die Straße bringen können, als jetzt jemand, der komplett so wie ins kalte Wasser geschmissen worden ist und gedacht hat: „Was geht denn hier in der Arbeitswelt ab?“
Marion: „Also dazu mehrere Gedanken. Einerseits ist eine duale Ausbildung so viel wert und wird oft so unterbewertet, was ich wirklich schade finde. Und gleichzeitig, eine duale Ausbildung ist niemals das Ende der Fahnenstange,..das ist oft der Anfang und das ist so toll, wenn man dual in der Ausbildung schon mal einen Abschluss macht, hat ein Beruf gelernt, hat schon was in der Hand und entscheidet sich dann sehr bewusst für ein Studium. Da geht man natürlich ganz anders rein, als wenn man nach dem Abi ins Studium wechselt. Ist auch einer der Punkte, was du vorhin gefragt hast mit den größten Herausforderungen. Jugendliche haben bei der Berufswahl nur ein ganz ganz kleines Bild von dem, was wirklich möglich ist. Wenn man es zusammennimmt, kennen die, wenn es hochkommt vielleicht zehn Berufe wirklich, das sind die der Eltern, der Lehrer-Beruf, was einem so im Alltag begegnet von Arzt bis Einzelhandelskauffrau möglicherweise und dann natürlich hier die YouTube- Sternchen-Influencer und so weiter, ne? So. Ja, ist so. Aber so ein richtiges Verständnis für einen Beruf und für ein Berufsbild haben die wenigsten. Und dazu möchte ich ganz gerne eine der Erfolgsgeschichten in unserer Berufsorientierung vorstellen. Ich hatte letztes Jahr, Anfang letzten Jahres einen jungen Mann bei mir sitzen 21, der war todunglücklich, der saß da und den Tränen wirklich nah. Mm. Der hat nach der Realschule sich für einen gymnasialen Zweig entschieden, der in die biotechnologische Richtung ging. Das war leider gar nicht sein Ding. Also hat als sich da wirklich durchgekämpft, ne? Hatte dann endlich das Abi und hat sich dann darauf besonnen, dass er eigentlich immer viel Spaß an Bio hatte. Hat er sich einen biologischen Studiengang rausgesucht, musste natürlich gucken, wo er überhaupt genommen wird mit dem Abit, das er hatte…und landete an einer Hochschule im Bereich Biotechnologie und musste dabei feststellen, was ihm einfach vorher nicht klar war, das ist ein chemischer Studiengang und kein biologischer. So, Chemie hat er nach der achten abgewählt. Die Chance hatte er damals, weil ich gesagt hab, mit Chemie kann ich gar nichts anfangen und hey, mein Herz schlägt für Bio. Es geht mir echt genauso. Chemie ist für mich so eine Blackbox, ne? Ähm und der saß in diesem Studium in Semester 1 kurz vor den Klausuren und war dann bei mir und sagte, ich weiß gar nicht, wie es weitergehen soll, ich kann diese Klausur nicht schaffen. Und ich habe ihn dann gefragt, warum tust du es denn dann? Und dann meinte er, mein Vater sagt, was man anfängt, zieht man durch. Und manchmal geht es eben nicht, ne? Also, ich habe ich habe ihm auch geraten, spreche auch gerne mit deinen Eltern. In diesem Moment weißt du, dass du diese Klausuren nicht schaffen kannst und vielleicht schummelst du dich irgendwie durch Semester 1, aber spätestens im dritten ist Schluss und bis dahin warst du eineinhalb Jahre richtig unglücklich mit dem Ergebnis, dass du dich auf etwas vorbereitest, was du ja niemals abschließend und darin arbeiten möchtest, ne? Da rate ich immer zum Abbruch. Mit dem haben wir einen ganz klaren Prozess gemacht. Es hat 6 Wochen gedauert, bis er sich wirklich drauf eingelassen hat, was er eigentlich schon immer wollte, nämlich in Richtung Grafik zu gehen. Dann kamen so die Stimmen aus dem Umfeld. Ja, aber das löst doch KI ab und so weiter und so fort. Ein guter Beruf wird am Ende nicht durch KI abgelöst. Du musst Experte in deinem Bereich sein und KI anwenden können. Das ist wichtig. Du musst, das ist ja der Punkt lebenslanges Lernen. Du musst dich weiterentwickeln können und eben wie du sagst, die KI existiert, aber du musst ja irgendjemand muss die KI ja auch steuern. Also selbst wenn man fünf Agenten hat, muss irgendeine Person Agenten steuern, damit die KI Agenten zusammenarbeiten. Vor allem musst du am Ende auch bewerten können, ob das Ergebnis ein gutes ist oder nicht. Und dafür musst du Fachexpertise haben. Ist ganz einfach. Jedenfalls studiert der junge Mann jetzt Grafikdesign, der ist super glücklich.“
Ich: „Ja, cool. Und gleichzeitig möchte ich da noch mal einhaken. Es ist wichtig, sich halt auch über die Studiengänge zu informieren. Also ganz ehrlich, weil das hätte er sich schenken können, weil die meisten Hochschulen und Universitäten haben ja Beispiel-Curriculae auf ihrer Website und dann kann man genau sehen den Studiengang und was da für Studieninhalte sind und da also das ist dieses informiert euch einfach drüber, was euch auf eine gewisse Art & Weise erwartet. Klar, die Erfahrung, die kann man sich nicht drüber informieren, die macht man. Aber das, wenn Biotechnologie, ja, ist halt Technik auf jeden Fall und mit Technik und Bio, ich sag mal so, ich hatte Bio vierstündig, das heißt, ich habe Bio auch quasi im Abi dann gehabt und ja, das war Chemie und Mathe und sowas und ja. Ja, ist so.“
Marion: „Aber Ines hätte hätte Fahrradkette, ne?“
Ich: „Genau, deswegen meine ich..jetzt nicht zu dem Beispiel, sondern aber als Botschaft sich da einfach zu informieren und wie du auch sagst, ich habe ja auch z.B. Du, also ich habe ja eine Ausbildung gemacht, ein Vollzeitstudium und ein duales Studium. Das heißt, ich kenne ja alle drei Komponenten und ich kann auch nur sagen, also ich fand mein Vollzeitstudium gut, aber weil ich mich bewusst für eine Hochschule entschieden habe, die sehr praxisorientiert ist und wo ich Projekte in der Praxis auch hatte. Und zusätzlich fand ich aber mein duales Masterstudium einfach genial, weil im Endeffekt war man halt im Unternehmen drin und man hat im Endeffekt halt einfach das, was man in der Theorie hatte in der Praxis angewandt und das finde ich also..wer tatsächlich…heutzutage würde ich mich jetzt nach dem Abi für ein Studium oder sonst was entscheiden, würde ich tatsächlich dual studieren, muss ich ganz ehrlich sagen, weil es einfach diese Verzahnung ist und das ist das Wichtige und nicht nur die Theorie.“
Marion: „Ich finde das auch sehr wertvoll. Es gibt einfach aber Menschen und Typen, die passen in das Duale nicht rein. Die müssen sich auf eine Sache voll konzentrieren können. Das ist immer dann, wenn es ja wissenschaftlich wird beispielsweise, ich hatte auch letztes Jahr einen Abiturienten hier sitzen, Schnitt von eins Komma gemacht. Der war wirklich gut und konnte sich am Ende für nichts wirklich begeistern, weil er dieses Endergebnis nicht sehen konnte. Und für den war das Richtige, sich in ein universitäres wissenschaftliches Studium jetzt erstmal reinzuarbeiten und in seiner Materie, in der es sich fit fühlte, Physik jetzt beispielsweise so tief einzusteigen, dass er am Ende hier ein Experte ist, was auch immer beruflich irgendwann daraus wird. Ja, auch die Wege gibt's und für die sind Unistudiengänge super. Ja, brauchen wir auch mal, weil ich damals so auch durch Wissen, also durch Wissenschaftler werden also neue Perspektiven auch reingebracht, ne? Also wäre jetzt nur halt, weil das ist natürlich auch die Gefahr so ein bisschen, dass man so diese Unternehmensberufsblindheit so ein bisschen auch wieder bekommt..“
Ich: Klar, also im Endeffekt Punkt 1 muss jeder das selbst wissen, ist wichtig, also dann muss man ja erstmal die Voraussetzungen haben, dann muss man ja angenommen werden, das sag ich es geht ja eigentlich schon viel früher los, wie du ja auch sagst, erstmal wissen, wer bin ich dann, was will ich dann und so weiter und dann halt natürlich gucken, ja, das aktuelle Schulsystem, wie gesagt, können wir drüber reden, was man will, aber es sind halt nun mal die Voraussetzungen. Deswegen sag ich maximaler Schulterfolg, maximale Wahlmöglichkeiten. Seht's einfach so. Klar sind dann nicht die Türen zu, man kann auf alle möglichen Wege, aber man hat's einfach leichter.. Und da einfach da schon seine Erfolge zu sammeln. Ich meine, das macht ja auch viel mit Selbstbewusstsein, mit Selbstvertrauen und so weiter.
Ja und was ich halt auch sagen muss, wie du ja auch schon gesagt hast und das noch mal zu betonen, es ist weniger auch wichtig, finde ich, weil du ja auch gesagt hast, die Jugendlichen, die kennen ja nur gewisse Anzahlen an Berufen, auch gar nicht in Berufsbildern so krass zu denken, weil die Berufsbilder verändern sich ja, also wenn ich das ja nur bei mir mal reflektiere, das war eine witzige Story, weil im Endeffekt kam bei damals bei der Bundesagentur für Arbeit in diesem Berufstest raus, ich soll Theologie studieren und Pfarrerin werden. So, kannst dir vorstellen, also ja, ich war als Konfirmandentrainierin aktiv damals, ja, und habe das sehr geliebt. Aber jetzt kannst du dir vorstellen, wie ich da saß und gedacht hab, wollt ihr mich jetzt alle verarschen. Was ist denn das für ein scheiß Test? Warum bin ich überhaupt hier? So, das hat mich noch mehr verwirrt und im Endeffekt habe ich noch weniger an dieses System geglaubt. Reflektiere ich das heute mit den Eigenschaften, die ein Pfarrer hat? Menschen inspirieren, Gemeinschaft schaffen, und so weiter...
Marion: „Passt schon wieder, ne?“
Ich: „Passt eins zu eins.“
Marion: „Ja. Ja. Weil es nur auf die, also dieser Test dazu habe ich gleich noch eine kleine Anekdote, der geht ja wirklich auf die Themen ein, die du eingibst. Also, du sagst, ich möchte gerne mit Menschen arbeiten, z.B. und durch vier, fünf andere Kriterien leitet er dich dann eben in eine Richtung, wo hinten dran ein System ist. Das hat übrigens noch keine KI drin, auch heute noch nicht, bei dem dann einfach gesagt wird, da ist die Trefferquote 80%, das muss also passen. Kleine Anekdote aus meiner Schulzeit…“
Ich: „Sind da alle Jobs hinterlegt, die es auf dem Arbeitsmarkt gibt oder was sind die da Auswahlkriterien?“
Marion: „Nee, es gibt eine Liste nach Holland, da werden die Berufe einmal kategorisiert und die ist da hinterlegt. Die ist relativ lang, die kannst du dir auch ergoogeln von der Agentur für Arbeit…die ist als PDF hinterlegt und die sind klassifiziert, die haben so ein Punkteprogramm hinten dran und je nachdem was du eingibst kommt es dann eben raus. In meiner Schulzeit war das so, dass meine Freundin angegeben hat, ich will unbedingt mit Tieren arbeiten, also so eins bis fünf Punkte, fünf Punkte Tiere unbedingt. Ja. Und hatte in der Auswahl dann Metzgerin stehen. Das hatte die sich anders vorgestellt. Nee, doch, doch. Aber ne, und das ist die Logik dahinter. Aber hallo. Ja, aber das ist die Logik dahinter. Sie möchte mit Tieren arbeiten. Das ist ein Beruf mit Tieren. Es ging nicht um lebende Also ja. Ja, aber Entschuldigung, warum hat man das nicht mittlerweile auch angepasst? Ja, gut. Möglicherweise hat man das mittlerweile angepasst. Das ist ja auch schon paar Jahre her, ne? Als ich als ich in der Zeit war. Also das Ding ist und das versucht ja auch der Test der Agentur für Arbeit erstmal dich in irgendeine Bahn zu lenken und einfach zu versuchen dir eine Idee zu geben, was beruflich geht. Ich kritisiere den Test der Agentur nicht nur deswegen, sondern auch ein bisschen deswegen, weil ich behaupte, ich kann das nicht belegen, aber für mich wirkt's immer so, als wäre der sehr arbeitsmarktorientiert. Also in meiner Zeit kamen da sehr viele Bürokaufleute raus, ne? Danach sehr viele Informatiker. Genau, was gerade gebraucht wird. Ich kann das nicht belegen, es ist nur ein Gefühl, dass ich habe, ne? Wir arbeiten selbst auch mit einem strukturierten Test. Das ist allerdings nur eine Komponente von vielen und bei uns ist ganz wichtig in diesem Test geht es nicht um Talente, weil junge Menschen kennen ihre Talente noch nicht alle. Das können die auch gar nicht. Die haben ja gar nicht alles ausprobiert. Wir hatten es gerade vorhin über die verschiedenen Sportarten, wo du dann merkst, das liegt mir, das liegt mir net. Ähm, klar haben die schon ein paar Sachen probiert, aber eben nicht alles. Und jemand, der sagt, ich schreibe gern und gut, ja, der mag das vielleicht als ausgleichendes Hobby nebenher machen, aber möglicherweise ist es nicht der Berufswunsch der Zukunft. Und deswegen machen wir bei diesem Test, den wir ebenfalls durchfinden, anderer Form, aber auch ein Test, den Fokus auf das Thema, was interessiert mich? Weil, Interessen sind manchmal in einer ganz anderen Lage als Talente. Manche Menschen können Dinge gut und haben da dran eigentlich gar keinen Spaß. Ich hatte vor zwei Jahren auf einer Berufsorientierungsmesse mal einen jungen Menschen, der war 15, also kurz vor der Realschule und mit dem haben wir den Test gemacht. Bei dem kam recht klar raus, dass er eine sehr ordnende administrative Komponente sucht. Der interessiert sich für alles, was so Regeln hat und was so wiederholbar ist. So ein typischer Beruf ist da beispielsweise alles, was mit dem Amt oder mit Finanzen und Steuern zu tun hat, kann auch in die Polizeirichtung gehen. Also einfach so ein, ich sag mal, ein grundsolider Job kam dabei raus am Ende und es war nur so eine Kurzanamnese mal, um zu zeigen, wie das funktioniert. Und dann kam der Vater ins Spiel und hörte sich das mit an und war völlig entrüstet und sagte zu mir: "Mein Sohn spielt virtuos Klavier. Ich sehe da eine ganz klare Karriere in seiner musikalischen Begabung und sie reden ihm das jetzt aus. Ich rede gar nichts aus. Ich habe ihren Sohn gefragt, was ihn interessiert und dabei kam Klavier gar nicht vor. Wirklich Musik null. Ja. Und das zeigt am Ende, dass man in etwas gut sein kann, was man sich vielleicht aber beruflich gar nicht vorstellen möchte oder wünscht, ne? Und trotzdem kann man da drin gut sein. Ich kann auch relativ gut zeichnen. Hätte ich nie zum Beruf gemacht. Wirklich nicht. Mach ich alle zwei Jahre im Urlaub mal, ne? Weil es mir dann reicht, dann denke ich, oh, guck mal, schönes Bild und weiter geht's. Aber meine Interessen in beruflicher Art sind völlig andere und das muss man bei jungen Menschen besonders beachten. Das finde ich nämlich ganz ganz fatal, wenn man die immer drauf festnagelt und sagt, du malst doch so schön oder du kannst doch so gut mit Zahlen. Ja, das kann sein und vielleicht mögen diejenigen das trotzdem nicht 8 bis 10 Stunden am Tag machen. Ja. Ja.“
Ich: „Wichtiger Punkt. Ja. Ja, ich find's krass, weil ich erlebe das zum Glück nicht. Also die Eltern, die mich buchen, das sind die Eltern, das ist gar nicht, dass sie sagen, ja, also mein Kind muss jetzt unbedingt das und das und das, sondern eher so, also dir steht die Welt offen, du kannst alles machen. Ich supporte dich quasi in dem, was du machen möchtest und dann natürlich klar schon beratend tätig sein, also nicht im Sinne von ja, also mach was du willst, sondern die supporten schon. Aber wenn da jetzt irgendwie, also das habe ich jetzt noch nicht erlebt, dass im Endeffekt die sagen, nee, mach jetzt das und das..“
Marion: „Und ja, ich habe hier meistens erst mit Eltern zu tun und dann mit den Kindern dieser Eltern. Weil, meistens kommen bei uns die Eltern und dann gibt's so zwei Pauschalaussagen. Das ist entweder meine Tochter interessiert sich für alles, die kann alles werden oder mein Sohn interessiert sich für nichts. Da ist nichts, was den interessiert und beides ist falsch, ne? Beides stimmt einfach nicht so… aber damit prägt man das Kind schon mal vor. Was wir sehr häufig haben, das sind gerade Abiturientinnen und Abiturienten. Das muss ich auch echt kritisieren. Also, wenn ich Gesamtschüler oder Realschüler habe, dann haben die eine gewisse Berufsorientierung an der Schule erlebt. Die bereitet man ein bisschen praxistauglicher vor. Bei den Abiturienten wird alles auf ein universitäres Studium ausgerichtet und das ist relativ praxisfern einfach häufig auch wenn du dir anguckst, wie viele von so einem Abi Jahrgang gehen denn wirklich an die Uni und studieren dann etwas ja sehr Wissenschaftliches, ne? Die meisten gehen ja doch irgendwo in die Praxis…aber die müssen sich da wirklich mühevoll hinkämpfen, weil sie relativ wenig mitgegeben kriegen auf dem Schulweg. So…und was wir da häufig haben, das sind Eltern, die den Kindern sagen, jetzt hast du schon Abi, jetzt machst du aber keine Ausbildung. Wenn man Abi hat, geht man auch studieren. Das haben wir echt oft, also ich könnte jetzt nicht sagen in neun von zehn Fällen, aber in sieben von zehn bestimmt, ne? dass die Eltern im Hintergrund stehen und das Kind blockieren. Ich habe gerade wieder eine 20-jährige, die ist seit zwei Jahren fertig und gut war jetzt ein bisschen reisen, das ist nie verkehrt. Sollen wir auch bitte machen, finde ich ganz toll. Nutzt die Gelegenheit, solange es geht, ne? Ähm, die kommt aber jetzt dann zurück und weiß eigentlich nicht, was sie tun soll. Der Vater ist Akademiker und sagt, na ja, aber unter einem Studium geht eigentlich nichts, ne? Also um Ausbildung brauchst du dich gar nicht kümmern. Das kommt bei uns in der Familie nicht vor. So, also aus gutem Hause in Anführungszeichen gibt's durchaus. Habe ich häufig was.“
Ich: „Aber ich muss sagen, also ich wusste damals auch nicht nach dem Abi, also Punkt 1, ich habe gesagt, ich bin zu blöd für ein Studium, obwohl ich ein Abi von 2,3 hatte, aber ich war ja erst versetzungsgefährdet.aber egal.. und habe das dann trotzdem geschafft und dann habe ich gesagt, ja, ich bin zu blöd für ein Studium. So und im Endeffekt habe ich dann aber tatsächlich also die Ausbildung gemacht, vor allem, weil es halt auch eine zweijährige Ausbildung war, die quasi extra für Abiturienten war und das finde ich halt extrem wichtig und das finde ich eigentlich ganz ehrlich, da müssen halt die Unternehmen, ich weiß nicht, wie es jetzt mittlerweile ist, ob die da jetzt auch tatsächlich mehr Ausbildungen für Abiturienten anbieten, weil ich meine, klar drei Jahre Ausbildung mal zu machen, Also ich fand es halt gut, weil das zwei Jahre waren..extra für Abiturienten. Das heißt im Endeffekt haben wir halt auch nicht so Fächer gehabt wie Deutsch und Mathe und so weiter, sondern wir haben halt und Religion, weil das hat man ja teilweise die Ausbildungen. Ja. und ich weiß halt, dass das seit…so was seit den 90ern läuft das…Also, ich habe ja eine Ausbildung als Finanzassistentin, das heißt Bankkauffrau mit Zusatzqualifikation Allfinanz und das lief ja quasi oder läuft immer noch, das weiß ich nicht, damals als Schulversuch oder Sonstiges so als Ausbildungsding und deshalb konnte man ja quasi die Fächer Deutsch und Mathe und Religion quasi streichen und ich hatte dann Wirtschaftsenglisch, BWL und die klassischen Bankfächer. Das heißt, im Endeffekt müssten man halt auch dem Arbeitsmarkt das attraktiver machen, dass man halt wirklich auch Ausbildungen anbietet für Abiturienten, wo man halt sagt, okay, das ist explizit dafür gedacht und dann im Endeffekt, weil mir hat es super viel gebracht auch für mein Studium und ich würde es auch tatsächlich, wenn ich zurückblicke, nicht anders machen.“
Marion: „Mm. Ähm, ich bin da etwas anderer Meinung tatsächlich, denn unsere Gesellschaft trainiert junge Menschen dazu, dass sie ein Minimum als Abschluss bringen müssen. Also diese Wertigkeit von dem mittleren Schulabschluss existiert nicht mehr. Wenn du kein Abi machst, dann bist du nichts in Anführungszeichen.“
Ich: „Ja, das meinte ich nicht, sondern ich meinte, wenn man Abi quasi hat, dass man dann die Möglichkeit hat, weil wir gerade gesprochen haben, Ausbildung.“
Marion: „Klar, ich sehe es von der anderen Seite und zwar von der Unternehmensseite. Die Unternehmen, die würden sich natürlich alle fünf Finger ablecken, wenn sie ihre dualen Ausbildungsplätze mit Abiturienten besetzen können. Ja, das Problem ist, dass Realschüler und Realschülerinnen dann eine immer kleinere Chance auf dem Arbeitsmarkt kriegen, aber die müssen ja auch irgendwo hin oder auch das Thema mit den abgeschafften Hauptschulen, Gemeinschaftsschulabschluss. Ähm, sorry, aber wir brauchen auch dieses Level. Wir brauchen auch Leute, die im handwerklichen, im gewerblichen Bereich, die anpacken können, zupacken können, die andere Fähigkeiten mitbringen als das rein kognitive. Und die Gefahr sehe ich eben in der dualen Ausbildung durch diese Anderswertung. Ich verstehe was du meinst und es gibt's auch schon länger, dass man sagt, eine dreijährige Ausbildung kannst du verkürzen, wenn du entsprechende Vorleistung gebracht hast. Das könnte ein Abi sein oder eine bestimmte Leistung bis zur Zwischenprüfung z.B. Das das kann ich alles nachvollziehen. Ich mache mir große Sorgen eher um unsere 15 16-jährigen, die sowieso viel zu jung auf den Arbeitsmarkt kommen, sich dafür was entscheiden sollen. Da stehen dann manchmal noch Eltern und Großeltern dahinter, die reden von was du jetzt machst, machst du die nächsten 45 Jahre. Überraschung: Nein, tun sie nicht, müssen sie auch gar nicht, ne? Und so kann sich ein 15-jähriger auch nicht orientieren. Das ist eine ganz ganz große Last, die auf denen liegt…deren Chancen schwinden, wenn wir die duale Ausbildung, ich sag jetzt mal spezifizieren oder noch mal modifizieren, dass sie auch für Abiturienten und Abiturientinnen interessanter wird. Dann verlieren wir möglicherweise die mittleren Schulabschlüsse wegen Chancenlosigkeit. Mhm. Ja, okay. Meine Sicht. Ja, ich kann da auch mal ganz persönlich von sprechen. Ich habe einen Sohn, der ist Realschüler. Der wird erstmal kein Abi machen…aus verschiedensten Gründen einmal, weil er nicht ins System passt und wir alle einfach durch sind und froh sind, wenn er fertig ist mit dem ersten Schritt. Ja, und das kann sehr gut sein, dass er irgendwann nachholt und das glaube ich sogar, ich habe auch später mein Abi erst nachgeholt. Das traue ich ihm durchaus zu, wenn er seine Richtung gefunden hat. Aber hey, der ist 14. Den interessieren gerade ganz andere Themen als Vokabel lernen und das kann ich auch nachvollziehen. Ja, und der braucht aber trotzdem auch eine Chance im Leben, weil das ist ein schlauer Kerl und da ist er nicht der einzige, da kannst du dir die ganze Klasse angucken. Die haben ein kollektives Thema damit. Ja, das sind ganz tolle Menschen. Ich war in der, als er in der achten Klasse war, habe ich dort zwei Schulstunden im Fach WBS übernommen. Wirtschaftsberuf und Studium. Also ist so eine Vorprägung, die hier vorgenommen wird, was ich super finde und ich habe diese zwei Schulstunden übernommen und habe mit denen so eine erste Berufsorientierung gemacht, bevor die Agentur für Arbeit reingeht, ne? Weil die kommt dann in der achten, ne? Und ich hatte einen Kollegen dabei, der auch noch ein paar Jahre jünger ist, keine eigenen Kinder hat und der hat gemeint, na ja, aber das sind ja noch Kinder, also was haben die denn für eine Ahnung von Berufen? Und der war völlig buff, weil von den 28 Schülerinnen und Schülern wussten, ich würde mal sagen 18 schon in welche Richtung es gehen soll. Klar wussten die jetzt nicht die genaue Berufsbezeichnung, aber die haben z.B. gesagt, ich will mal in die Pflege, ich gehe vielleicht meinen Kindergarten, ich will mal Physiotherapeutin werden. Also, da waren klare Ideen. Eigentlich hatten wir nur zwei, bei denen es keine klaren Ideen gab. Und einer davon, der war, das war wirklich faszinierend, der war die gesamte Zeit über völlig neutral. Kein Gesichtsausdruck, gar nichts, hat sich nicht beteiligt und war auch so ein bisschen für sich alleine. Der war zwar nicht ausgegrenzt, aber wollte sich auch nicht integrieren. Den habe ich mir ganz am Schluss noch geschnappt und habe gesagt, sag mal gibt's irgendwas, wofür du brennst, wo du sagst, das find ich richtig toll? Dann haben die Augen geleuchtet und dann hat er gesagt, ich baue Computer auseinander und frisch zusammen. Ich sag mega, das ist mega, das ist etwas, da kannst du jederzeit einen Beruf draus machen, da eine Grundlage zu schaffen in einer Informatik oder Elektronikausbildung, der hat alle Türen offen, mal ein Studium in die Richtung zu machen und da drin richtig gut zu werden. So jung und sowas kann.“
Ich: „Das Beispiel gibt's bei meinem Bruder. Mein Bruder hat sich für Kochen interessiert und mein Bruder hat sich für Computer interessiert und zwar zusammenbauen und auseinanderbauen und so hat er ein Praktikum als Koch gemacht, hat gemerkt, oh, das sind ja Arbeitszeiten, das will ich gar nicht. Heftig. Ja, heftig. So, dann hat er ein Praktikum in der IT gemacht. hat merkt, boah, das ist meins. So, der hat Realschulabschluss..im Endeffekt ist er jetzt Teamleiter, weil eine Ausbildung gemacht hat. IT-System Elektroniker. Er hat nie studiert, hat kein Abi gemacht und er ist erfolgreicher Teamleiter, weil er für seine Sache brennt und seiner Sache gut ist. und Hobby ist Kochen..so und plötzlich lernt der und was weiß ich, obwohl er früher nicht mal Buch in die Hand genommen hat und gar nichts und macht das alles freiwillig und das ist so wo ich sag, weil du ja auch gesagt hast mit 14 und ich glaube das ist halt das Wichtigste, dass im Endeffekt man so früh wie möglich..und das erlebe ich ja auch in den ganzen Gruppencoachings und so weiter, dass man mit den Kinder und Jugendlichen so früh wie möglich drüber spricht über ihre eigene Interessen, weil wenn man mit denen über ihre eigene Interessen spricht, dann können sie da auch schon sich noch mehr sich bewusst sein, ach ja, dafür brenne ich ja und dann noch mehr weiterentwickeln und dann haben die auch überhaupt kein Problem, sag ich im Arbeitsmarkt, weil selbst wenn da in einer kommt mit Abi und einer kommt mit Realschulabschluss und der aber im Endeffekt so super ist und sich weiterentwickelt hat und weitergebildet hat, wie gesagt, mein Bruder hat es auch geschafft und alles..dann ist das so. Aber dafür ist es halt wichtig, dass man eben vorher schon seine Interessen kennt und die dürfen sich auch weiterentwickeln und verändern auf eine gewisse Art und Weise. Das ist ja alles nicht in Stein gemeißelt. Das ist ja immer Feintuning. Daher sage ich auch im Endeffekt Selbstbewusstsein ist die Nummer 1 Eigenschaft fürs Traumleben, weil, je mehr man sich selbstbewusst ist, desto leichter ist es halt auch. Aber wenn man natürlich erst mit 14 damit konfrontiert wird oder sowas, dann ist es halt ein bisschen schwer und vor allem ist ja auch wie du sagst, im Endeffekt wird man damit konfrontiert und muss aber eigentlich Realschulprüfungen oder sonst was gerade sich vorzubereiten und dann noch entscheiden und es ist ja meistens doch einen gewissen Zeitraum vorher, ja, wie soll es denn weitergehen und dann ist man einfach komplett lost.“
Marion: "Also vor einigen Jahren noch war das so, dass du dich im Grunde schon bevor die Prüfungen begonnen haben für ein Beruf entschieden hattest und meistens hattest du auch schon dein Ausbildungsvertrag in der Tasche. Ich glaube, das ist sehr sehr entspannt einfach zu wissen, so und so geht's weiter, ob das dann wirklich der Weg ist, also ein Ziel zu haben ist immer gut. Vielleicht sollte man so ansetzen. Ähm sage ich auch meinem eigenen Sohn. Du kannst dein Ziel noch 100 mal ändern. ist mir eigentlich egal, aber du musst eins haben. Also kein Ziel zu haben macht dich immer aussichtslos und stell dich der Situation. Ich sage immer gern, man ist gut in allem, was man gerne macht. Das heißt aber nicht, dass man alles gerne macht, worin man gut ist, ne? Also, das muss man unterscheiden können. Ähm und das für mich auch so eine Grundlage, wenn du dir ein Beruf wählen musst als junger Mensch, dann such dir was aus, was dir Freude bereitet, was du einfach gerne machst oder wo du das Ergebnis magst. Das reicht ja schon. Hier Beispiel kochen, ne? Möglicherweise sage ich auch, okay, Zwiebeln schneiden ist nicht so mein Ding, ja, aber am Ende eine Spaghetti Bolo für die Familie bereitzustellen, geil. Ja, und alle freuen sich und du kriegst die Anerkennung, super. Dann ist ja das das Ergebnis, was du mit einer Arbeit, die du vorher reinsteckst, einfacher wirtschaftest und wenn das deine Freude ist, könnte das für dich ein Beruf sein.“
Ich: „Und dann sind wir wieder bei der Sinnhaftigkeit, wo ich auch sage, es geht nicht drum, dass die Gen Z und Gen Alpha keinen Bock hat zu arbeiten. Habe ich auch schon eine Podcast Folge gemacht, das so dieses Null-Bock und was weiß ich. Es geht darum, dass die noch mehr den Sinn ihrer Arbeit verstehen und wie gesagt, der Sinn ist z.B. wie du jetzt einfach ganz platt gesagt hast, ja, eine leckere Spaghetti Bolo zu servieren z.B. und das kann natürlich auf jedes einzelne Ding übertragen werden quasi. Und so ist es halt wichtig meiner Meinung nach, dass die Unternehmen auch auf die Gen Z und die Gen Alpha einfach zugehen, um den Sinn der Arbeit, wenn sie den Sinn dahinter verstehen, dann ist jeder intrinsisch motiviert. Ja, wenn ich auch den Sinn verstehe, warum gehe ich zur Schule? im Endeffekt, weil ich es halt für mich will und warum will ich das? Ja, dann bin ich motivierter als alles andere und das ist wo du ja auch um den Kreis zu schließen,….weil ich sehe gerade auf der Uhr… glaub das wird die längste Podcast-Folge in diesem Podcast…“
Marion: „Wir könnten noch drei Folgetermine machen. Ja.”
Ich: “Ja. Follow up, follow up, follow up. wegen mir gern., genau. Um dieses, wo du gesagt hast, was sich grob oder so overall diese letzten 20 Jahre, dass mit der Sinnhaftigkeit halt wichtiger ist und das ist finde ich für jeden wichtig. Ich glaube, das brauchen wir jetzt auch nicht nur über die Gen Z oder Gen Alpha. Ich glaube, das ist dieses auch, wie sich die Gesellschaft verändert hat, einfach, dass die Leute mehr den Sinn in allem sehen wollen, weil das ist ja auch dieses übergeordnet die Suche nach dem Sinn meines Lebens quasi und dann halt auf die einzelnen Lebensbereiche quasi einfach runtergebrochen und ich glaube das ja ist wichtig und ich glaube so können wir einfach auch die Podcast-Folge mal dann zum Ende so langsam bringen. mal gucken, ob wir auch ein Follow machen irgendwann, weil sonst…“
Marion: „Ich wollte gerade zu dieser Bashing Geschichte noch kurz sagen, so dieses Thema, die wollen ja gar nicht arbeiten und alle nur vier Tage Woche und so weiter. Das hat ja einen Grund und der Grund ist also Worklife Balance wie ausgelutscht auch immer das ist, ich sag gern Worklife Integration, weil es geht viel mehr darum, dass die beiden Themenbereiche miteinander arbeiten und nicht in einer Balance stehen. Das klingt wie ein Gegenüber, finde ich immer schwierig. Ja, aber wo kommt denn das her mit der vier Tagewoche? Das kommt ja vor allem daher, dass wir aktuell, wenn wir uns die Generation unserer Eltern und vielleicht auch die dazwischen anschauen, ein Problem durch eine Versorgungslücke haben. Wir haben ganz viele Mütter stigmatisiert, aber ist so, die das Arbeiten erstmal zurückgesteckt haben, für ein paar Jahre ihre Kinder groß gezogen haben, da nur Teilzeit gearbeitet haben oder teilweise auch gar nicht mehr in die Arbeit zurückgefunden haben, die jetzt wirklich in der Abhängigkeit auch von ihren von ihren Partnern sind finanziellerweise, weil einfach die Rentenlücke für die da ist, ne? Wenn ich in eine vier Tagewoche gehe und würde das flächendeckend über Deutschland jetzt utopisch, ne, ausbreiten, dann hätte ich aber am Ende eine höhere Produktivität als aktuell, weil wenn ich 100% und 50% zusammenrechne, ist es einfach weniger als 2 x 80. So, das heißt, die das eigentlich ist es eine gesellschaftlich völlig sinnvolle Überlegung und das Thema, das kann man ja gar nicht umsetzen. Das möchte ich gerne wegwischen, weil es stimmt nicht, es würde gehen. Es bedeutet nur viel Veränderung und neue Generationen bringen was Neues mit rein und die werden eine ganz ganz tolle Welt kreieren und ich freue mich da drauf und immer wenn ich mit jungen Menschen zusammenarbeite, denke ich: "Geil, ihr seid unsere Zukunft, da habe ich wirklich volles Vertrauen rein."
Ich: „Ja eben. Und die spiegeln ja einfach nur unsere Gesellschaft auf eine gewisse Art und Weise hinterfragen und denken sich, nee, so kann es ja nicht sein. Das ist nicht meine Wahrheit. Und deshalb also erstmal den Sinn dahinter und dann einfach offen zu sein für die Veränderungen und alles. Und gleichzeitig natürlich ist immer und das sage ich auch, es muss jetzt ein Zusammenspiel geben, weil natürlich von den Erfahrenen im Arbeitsmarkt kann man ja super profitieren. Ja, also deswegen.. dann können wir jetzt auch wieder warum ältere Menschen kein Job finden, blabliblub.. da können wir jetzt nächste Fass aufmachen. Äh ja, also deswegen, ich glaube, das reicht jetzt einfach und Punkt.“
Marion: „Ähm, ich glaube, wir könnten da jetzt echt ewig drüber reden.“
Ich: „Genau. So, möchtest du noch irgendwas zum Schluss sagen oder waren das so deine Worte..“
Marion: „Und das ist..Ich möchte vielleicht gerne noch ein bisschen Hoffnung geben an die jungen Menschen und auch an ihre Eltern, die einfach merken, die Schülerinnen und Schüler tun sich schwer in der Schule…die kreativsten Menschen passen meistens nicht in dieses System. Das ist einfach meine Erfahrung. Aber das werden unglaublich wertvolle Charaktere als Erwachsene. Die brauchen wir, weil die treiben unsere Gesellschaft voran. Ja, die müssen durch diese harte Mühle durch und Ines, du bist da ja eine ganz ganz tolle Partnerin in diesem Umfeld, ne? äh um diesen um diese Mühle auch unbeschadet hinter sich zu bringen in Anführungszeichen. Aber ich find es ganz wichtig, Charaktere, die nicht ins System passen, auf den ersten Blick einfach zu fördern, zu unterstützen und dran zu bleiben, weil das sind die wichtigen Menschen, die wir für unsere Zukunft brauchen.“
Ich: Ja..und da vielleicht dann noch einen kurzen Punkt. Deswegen mache ich es ja auch tatsächlich so, dass, also ich merke ja schon bei manchen irgendwie Herausforderung oder so, aber durch das, dass ich Kids, Teens und junge Erwachsene ja jahrelang begleite und so und dann sage ich auch, ich habe so ein großes Netzwerk, wenn ihr euch irgendwie bewirbt oder sonst was, ey, ich schreibe euch ein Empfehlungsschreiben, das ist halt für die noch mal leichter ist und sage den Unternehmen, ja, wenn ich eine Empfehlungsschreiben schreibe über diese Menschen, jungen Menschen, dann ist das auch so. Dann könnt ihr die wirklich blind nehmen, weil das sag ich um das dann irgendwie denen leichter zu machen und dass die von meinem Netzwerk profitieren, weil ich sag mal so ein Netzwerk ist einfach heute das A und O muss man ja auch sagen und ich hatte das früher nicht und es macht einfach vieles vieles leichter auch auf eine gewisse Art und Weise.“
Marion: „Absolut. Ja.“
Ich: „Alright, Marion, danke schön, dass du da warst., ich glaube, wir könnten hier Stunden füllen. Mal gucken, vielleicht gibt's auch ein Follow-up einfach zu einem gewissen Thema. Ich bin auch neugierig auf das Feedback von der Folge. Also, das machen wir jetzt hier auch mal offen. Wenn ihr irgendwie zu irgendeinem Thema noch mal einen Deep Dive haben wollt, wir machen da gerne noch mal ein Follow. Einfach schreiben, würde ich sagen. So machen wir das jetzt einfach und lassen das im Flow einfach jetzt entwickeln.“
Marion: „Okay. Genau. Ja, so machen wir es. In, ich danke ganz herzlich.“
Ich: „Dann vielen, vielen lieben Dank und habt noch einen wundervollen Tag alle zusammen.“
Marion: „Ja, danke schön.“
Und natürlich danke dir, dass du heute wieder da warst und unser Gespräch mitverfolgt hast.
Mehr zu Marion findest du hier: https://www.personalrezepte.de/
Und wenn du mich als Coach für dein Kind willst, findest du alle Angebote hier auf meiner Website. Bei Fragen oder wenn du mit mir über eure individuelle Situation quatschen willst, dann schreib mir einfach oder vereinbare dir dein kostenloses Beratungsgespräch.
Und jetzt hab einen wundervollen Tag und alles Liebe,
deine










